Wer in ein Narrenkleid schlüpft, legt seine bürgerliche Identität ab und ist nur noch Narr; das Narrenkleid hebt alle Standesunterschiede auf und macht den Verlarvten zum Herrn über den Unvermummten. Mit einem leichten Schlag der Narrenwurst auf die Schulter seines Opfers zieht der Narr den Nichtmaskierten in seinen Bann. In persiflierender Form werden diesem nun seine im Lauf des Jahres begangenen Streiche oder Verfehlungen vorgehalten, wobei der Narr sich gerne eines mehr oder minder kunstvoll gemalten Narrenbuches bedient. Die alte Regel, nur Leuten »aufzusagen«, die einem sympathisch sind, läßt dabei keine verletzende Schärfe aufkommen. Die gleiche Verhaltensweise wie der Rottweiler Narr beim Aufsagen zeigen die Tiroler Huttler beim sogenannten »Abmullen«. Zur Anrede anderer Personen benützt der Narr grundsätzlich das »Du«. Gelegentlich bleibt das Aufsagen die einzige Möglichkeit, politische oder private Themen anzusprechen, weil der soziale Status des Angesprochenen außerhalb der Fasnet keine persönlichen Kontakte erlaubt. Selbstverständlich bedient sich der Narr beim Aufsagen des Dialektes, da dieser kräftige Redewendungen erlaubt und die ungeschminkte Wahrheit oft plastischer darzustellen vermag als das Schriftdeutsche. Dem Unvermummten versüßt das »Schnupfen« einer Praline oder eines |